









Grüne Erde, Lichter Ocker, Kasslerbraun und Umbra. Zitronengelb, Englischrot, Saftgrün und Titan. Ultramarin – ein wenig Chromoxidgrün.
Die Farben vermische ich im Zentrum der Leinwand. Ich verwende die kleinsten Rundpinsel, die ich besitze. Durch ihre kurzen, teilweise schon eingetrockneten Borsten lässt sich die unverdünnte Ölfarbe mit einer Drehung an der Leinwand abschmieren. Diesen kleinen Haufen Farbe modelliere ich dann: Erhebungen und Vertiefungen, Rillen, Spiralen und dergleichen. Ich nehme die Masse mit dem Pinsel wieder weg und trage sie an anderer Stelle wieder auf. Mit dem Spachtel glätte ich die Oberfläche oder kratze Farbe ab. Mit einem breiten Borstenpinsel die Farbe durch Streichbewegungen ausdünnen, verziehen oder auf derselben Stelle zu einem farblichen Brei vermengen. Ein stetiges Hinzufügen und Entfernen.
Das Zentrum verändert sich. Es bildet sich eine annähernd runde, fast abgeschlossene Form. Ich suche nach Möglichkeiten aus dem Zentrum wieder auszubrechen. Ich drehe die Leinwand auf der Suche nach einem Motiv, dass sich mir durch die Farbe zeigt.
Gefunden, überrascht und fasziniert, ziehe ich sich windende, neugierige Linien aus dem Zentrum abermals heraus, um neuen Raum zu erobern.
Diese Assoziation einer Landschaft, hervorgerufen durch Farbe. Lichtungen, Felder, Hügel oder ein Dickicht erscheinen vor meinen Augen, ebenso wie Schluchten und Stümpfe. Doch das ist nicht das Ziel: das Äußere einer Landschaft zu repräsentieren. Landschaft als organisches, abstraktes Wesen, das wächst, bebt, zuckt, atmet, stillhält und sich still weiter fortbewegt. Also übermale ich, verwische und verzerre abermals. Alles dient als Vorwand um weiter zu malen. Vor der Leinwand zu stehen und aufmerksam meinen Farbauftrag zu beobachten. Ich verliere mich im Malprozess.
Die Titel entstehen parallel zur Arbeit. Ich spiele mit Lautfragmenten: rinkringalm, orlampsas, ritsch, knautsch. Der Klang hat die Titel gemacht.
Ich habe eigene Worte geschaffen, Eigennamen, die nichts bezeichnen außer sich selbst. Die Reihe heißt Chromosom, altgriechisch für Farbkörper. In der Biologie bezeichnet es den Teil in den Zellen, in dem die Informationen zur Vererbung von Eigenschaften gespeichert ist.

Ateliersituation | 11.2020










Grüne Erde, Lichter Ocker, Kasslerbraun und Umbra. Zitronengelb, Englischrot, Saftgrün und Titan. Ultramarin – ein wenig Chromoxidgrün.
Die Farben vermische ich im Zentrum der Leinwand. Ich verwende die kleinsten Rundpinsel, die ich besitze. Durch ihre kurzen, teilweise schon eingetrockneten Borsten lässt sich die unverdünnte Ölfarbe mit einer Drehung an der Leinwand abschmieren. Diesen kleinen Haufen Farbe modelliere ich dann: Erhebungen und Vertiefungen, Rillen, Spiralen und dergleichen. Ich nehme die Masse mit dem Pinsel wieder weg und trage sie an anderer Stelle wieder auf. Mit dem Spachtel glätte ich die Oberfläche oder kratze Farbe ab. Mit einem breiten Borstenpinsel die Farbe durch Streichbewegungen ausdünnen, verziehen oder auf derselben Stelle zu einem farblichen Brei vermengen. Ein stetiges Hinzufügen und Entfernen.
Das Zentrum verändert sich. Es bildet sich eine annähernd runde, fast abgeschlossene Form. Ich suche nach Möglichkeiten aus dem Zentrum wieder auszubrechen. Ich drehe die Leinwand auf der Suche nach einem Motiv, dass sich mir durch die Farbe zeigt.
Gefunden, überrascht und fasziniert, ziehe ich sich windende, neugierige Linien aus dem Zentrum abermals heraus, um neuen Raum zu erobern.
Diese Assoziation einer Landschaft, hervorgerufen durch Farbe. Lichtungen, Felder, Hügel oder ein Dickicht erscheinen vor meinen Augen, ebenso wie Schluchten und Stümpfe. Doch das ist nicht das Ziel: das Äußere einer Landschaft zu repräsentieren. Landschaft als organisches, abstraktes Wesen, das wächst, bebt, zuckt, atmet, stillhält und sich still weiter fortbewegt. Also übermale ich, verwische und verzerre abermals. Alles dient als Vorwand um weiter zu malen. Vor der Leinwand zu stehen und aufmerksam meinen Farbauftrag zu beobachten. Ich verliere mich im Malprozess.
Die Titel entstehen parallel zur Arbeit. Ich spiele mit Lautfragmenten: rinkringalm, orlampsas, ritsch, knautsch. Der Klang hat die Titel gemacht.
Ich habe eigene Worte geschaffen, Eigennamen, die nichts bezeichnen außer sich selbst. Die Reihe heißt Chromosom, altgriechisch für Farbkörper. In der Biologie bezeichnet es den Teil in den Zellen, in dem die Informationen zur Vererbung von Eigenschaften gespeichert ist.

Ateliersituation | 11.2020
© Tom Plehn. All rights reserved.